Brutalität und Toleranz


Ob in der Welt weniger Brutalität herrschen wird, hängt davon ab, inwiefern die Menschen Koexistenz und Toleranz gegenüber Kulturen, Glaubensrichtungen, Überzeugungen und nationalen Besonderheiten lernen. Gewalt wächst gewöhnlich nicht von ungefähr. Sie ist Folge der Ungerechtigkeit, der Expansion und des Konfliktes verschiedener Interessen oder des Versuches, den Willen eines Menschen dem anderen aufzudrängen. Die modernen Beziehungen zwischen Staaten und Völkern sind nicht freundlicher geworden noch entbehren sie der Widersprüche. Die Konflikte wurden lediglich nicht auf dem Schlachtfeld ausgetragen, sondern in einer Atmosphäre brutalster politischer, ökonomischer, informationeller Konkurrenz, wodurch die Mehrheit der Menschen mit Entbehrungen und Leiden, ja auch mit

ihrem Untergang bedroht wird. Wenn sich hinter der Fassade der Demokratie eine Tendenz verbirgt, die einzelnen Persönlichkeiten, Gruppen oder Völkern die Hegemonie über andere verschafft, wird das letzten Endes in neue Revolutionen und Kriege münden, möglicherweise sogar in einen weltweiten Krieg. Das einzige, das meiner Ansicht nach die Beziehungen zwischen den menschlichen Gemeinschaften verbessern kann, ist entschiedener Verzicht auf alle Versuche gegenseitigert Umstrukturierung, wobei Rassen, Traditionen, Völkerschaften nicht nur auf der Basis minimaler Rechte gleichgesetzt werden, sondern auch bezüglich der Möglichkeiten realer Teilnahme an Beschlussfassungen auf beliebiger Ebene. Ohne Achtung oder Toleranz gegenüber Gesetzen und Gepflogenheiten verschiedener Völker werden wir neue Gegnerschaften nicht vermeiden können.

Quelle: Antworten auf Fragen der Zeitung “Moskovskie Novosti”